Weinberg Arlberg soll kein Festival sein

Weinberg Arlberg soll kein Festival sein

Obmann Clemens Riedl im Interview

Clemens, wie ist die Idee zu Weinberg Arlberg entstanden?

Ein Wein- und Kulinarikformat zum Start der Wintersaison in Lech gab es in unterschiedlichen Formen eigentlich schon lange. Neu war die Idee also nicht. Was allerdings oft gefehlt hat, war Kontinuität und vielleicht auch eine klare inhaltliche Haltung.

Ich habe mich dem Thema vor einiger Zeit angenommen, weil ich überzeugt war, dass Lech das Potenzial für ein Format hat, das weit über ein klassisches Gourmet- oder Weinfestival hinausgeht. Mein Anspruch war dabei immer, etwas zu entwickeln, das einerseits dem internationalen Qualitätsniveau des Ortes gerecht wird und andererseits nur hier am Arlberg funktionieren kann — also eng mit der Umgebung, dem Winter, dem Skifahren und der besonderen Kultur des Ortes verwoben ist.

Lech ist ein Ort mit einer außergewöhnlichen Tradition der Gastfreundschaft. Über Jahrzehnte hinweg ist hier eine Kultur entstanden, die internationale Qualität mit einer gewissen Selbstverständlichkeit verbindet. Gleichzeitig ist das Herz der Schönheit von Lech nicht Luxus oder Inszenierung, sondern die Natur – und wie respektvoll die Menschen hier mit ihr umgehen. Diese Verbindung aus Internationalität, Qualität, Gastfreundschaft und alpiner Kultur hat mich immer fasziniert. Weinberg Arlberg knüpft genau daran an.

Warum gerade Wein und Kulinarik?

Wein ist für mich weit mehr als ein Produkt. Große Weine erzählen immer auch Geschichten über Herkunft, Zeit, Landschaft und Menschen. Deshalb interessiert mich Wein vor allem als Kulturprodukt.

Und Lech ist dafür ein erstaunlich passender Ort. Viele unterschätzen, wie zentral der Arlberg geografisch eigentlich zwischen den großen europäischen Weinregionen liegt. Bordeaux, Burgund, Champagne, Norditalien, die Rhône, Österreich oder Deutschland – vieles ist näher, als man denkt. Gleichzeitig gibt es in Lech eine außergewöhnliche Dichte an großartigen Gastgebern, Restaurants und Weinkellern. Diese Verbindung aus alpinem Lebensgefühl und internationaler Weinkultur ist ziemlich einzigartig.

Weinberg Arlberg wird von einem Verein getragen. Warum war dir diese Struktur wichtig?

Weil ein Verein keinen Eigentümer hat. Das war mir von Anfang an wichtig. Weinberg Arlberg soll nicht einer Person oder einem Unternehmen gehören, sondern vom Ort und seinen Gastgebern getragen werden. Die Betriebe entscheiden gemeinsam über die Entwicklung und Ausrichtung des Projekts.

Gleichzeitig war uns wichtig, nicht nur Hotels und Restaurants einzubinden, sondern die Region als Ganzes mitzudenken. Die wichtigsten Weinhändler der Region unterstützen den Verein ebenso wie die Tourismusorganisation und ausgewählte regionale Partner. Dadurch entsteht ein Netzwerk, das weit über einzelne Veranstaltungen hinausgeht und unterschiedliche Teile der Wertschöpfungskette miteinander verbindet.

Am Ende funktioniert ein Format wie Weinberg Arlberg nur dann langfristig, wenn es nicht isoliert gedacht wird, sondern als gemeinsames Projekt des Ortes und seines Umfelds.

Was unterscheidet Weinberg Arlberg von klassischen Weinfestivals oder Messen?

Wir wollen bewusst keine Messe und auch nicht das nächste Gourmetfestival sein. Natürlich geht es um große Weine und außergewöhnliche Kulinarik. Aber genauso wichtig sind Inhalte, Gespräche und persönliche Begegnungen. Deshalb gibt es neben Verkostungen auch Diskussionen über Themen, die die Weinwelt aktuell beschäftigen.

Und vielleicht noch wichtiger: Die Struktur von Lech verändert vieles. Die Wege sind kurz, die Veranstaltungen bewusst klein gehalten. Dadurch entstehen Begegnungen oft ganz selbstverständlich – beim Frühstück, an der Bar oder nach einer Verkostung. Gerade diese zufälligen Gespräche machen Weinberg Arlberg für mich besonders.

Welche Vision steckt langfristig hinter dem Projekt?

Sehr praktisch formuliert: Ich wünsche mir, dass irgendwann Anfang Dezember niemand aus der internationalen Weinwelt Zeit für andere Termine hat, weil alle nach Lech kommen wollen. Aber nicht wegen Größe oder Inszenierung. Sondern weil hier etwas entsteht, das man anderswo kaum findet: große Weine, großartige Gastgeber, anspruchsvolle Kulinarik, spannende Menschen und gleichzeitig diese besondere Atmosphäre des Arlbergs zu Winterbeginn.

Strategisch gedacht geht es aber um mehr als eine Veranstaltungswoche. Ich wünsche mir, dass Weinberg Arlberg langfristig ein Ort wird, an dem Menschen aus der Weinwelt wirklich gerne zusammenkommen, sich austauschen und gemeinsam neue Ideen entwickeln.

Denn genau aus solchen Begegnungen entstehen oft die spannendsten Dinge: neue Geschäftsbeziehungen, gemeinsame Projekte, Diskussionen über die Zukunft der Branche oder auch Initiativen, die weit über den Arlberg hinaus wirken können. Weinberg Arlberg soll deshalb nicht nur Bühne für Genuss sein, sondern auch Plattform für Austausch, Diskurs und Weiterentwicklung.

Langfristig möchten wir diese Idee auch über die eigentliche Woche hinaus weiterdenken – etwa durch den Weinclub Arlberg als Community und Netzwerk, das Gäste, Produzent:innen, Sommeliers, Händler:innen und Weinliebhaber:innen verbindet.

Im Kern geht es dabei immer um dieselbe Frage: Wie kann Wein als Genuss- und Kulturprodukt Menschen zusammenbringen, inspirieren und relevante Gespräche auslösen? Wenn Weinberg Arlberg dafür ein glaubwürdiger Ort wird, wäre das wahrscheinlich die schönste Entwicklung.

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