Bordeaux. Gerade jetzt.

Bordeaux. Gerade jetzt.

Zwischen Kritik und Veränderung entsteht eine neue Dynamik.

SCHWERPUNKT 2026

Bordeaux gehört zu den großen Konstanten der Weinwelt. Und vielleicht ist genau das im Moment Teil des Problems. In den letzten Jahren wurde viel über Bordeaux geschrieben – selten mit Begeisterung. Absatzrückgänge, Überproduktion, veränderte Trinkgewohnheiten und klimatische Herausforderungen haben das Bild geprägt. In manchen Kommentaren ist sogar von einer Region die Rede, die an Relevanz verliert oder ihren Platz im heutigen Weinmarkt neu definieren muss.

Die Entwicklungen dahinter sind real. Laut dem Conseil Interprofessionnel du Vin de Bordeaux (CIVB) sind Exporte in wichtigen Märkten rückläufig, gleichzeitig wurden zuletzt Programme zur Reduktion von Rebflächen aufgelegt, um strukturelle Übermengen zu adressieren. Gleichzeitig zeigen Marktanalysen, dass sich insbesondere jüngere Konsumenten stärker zu leichteren, früher zugänglichen Weinen orientieren.

All das ist nicht falsch, aber es greift zu kurz.

Denn während ein Teil des Marktes unter Druck steht, passiert gleichzeitig etwas anderes: Bordeaux verändert sich – leise, aber konsequent. Stilistisch, strukturell und auch im Selbstverständnis. Alkoholwerte werden bewusster gedacht, Extraktion wird zurückgenommen, Frische und Präzision rücken stärker in den Mittelpunkt. Parallel dazu hat sich die Arbeit im Weinberg deutlich weiterentwickelt. Laut CIVB werden mittlerweile rund drei Viertel der Rebflächen nachhaltig bewirtschaftet, ein wachsender Anteil davon biologisch oder biodynamisch. Das ist keine Revolution, aber es ist eine Bewegung. Und genau dort wird es interessant.

Ein weiterer, oft übersehener Aspekt ist die qualitative Entwicklung der jüngeren Jahrgänge. Die ersten Rückmeldungen zur En-Primeur-Woche im April 2026 deuten darauf hin, dass der Jahrgang 2025 qualitativ sehr vielversprechend ausfällt – mit einer Stilistik, die von vielen Verkostern als ausgewogen, präzise und zugänglich beschrieben wird. Stimmen wie Neal Martin oder Antonio Galloni haben in ersten Berichten hervorgehoben, dass Bordeaux zunehmend Weine hervorbringt, die klassische Struktur mit größerer Frische und früherer Trinkbarkeit verbinden. Auch das passt ins Bild.

Wir haben uns entschieden, Bordeaux 2026 einen Schwerpunkt zu geben – nicht trotz dieser Entwicklungen, sondern wegen ihnen. Weil wir überzeugt sind, dass große Weinregionen nicht daran gemessen werden sollten, wie sie in ihrer besten Phase waren, sondern daran, wie sie mit Veränderung umgehen. Und Bordeaux ist eine Region, die genau das seit Jahrzehnten tut. Vielleicht nicht laut, aber oft nachhaltig.

Mit Neal Martin begleitet uns einer der profiliertesten Bordeaux-Kenner unserer Zeit durch diese Tage. Seit mehr als 30 Jahren beschäftigt er sich mit der Region und hat ihre Entwicklung aus nächster Nähe verfolgt – analytisch, kritisch und mit einem außergewöhnlichen Gespür für Details. Gemeinsam mit ihm nähern wir uns Bordeaux aus unterschiedlichen Perspektiven:

Beim Grand Opening Tasting stehen drei Weingüter im Fokus, die für die klassische Stärke der Region stehen – Château Pichon Longueville Comtesse de Lalande, Château Figeac und Château L’Église-Clinet. In der Podiumsdiskussion „Quo Vadis Bordeaux“ geht es um die großen Fragen: Klimawandel, Marktveränderungen, neue Stilistik. Was passiert gerade – und was bedeutet das für die Zukunft? Die Verkostung „…and yet it moves“ richtet den Blick bewusst nach vorne – mit Weingütern wie Claire Lurton, Château Haut-Bages Libéral, Château Ferrière, Château Durfort-Vivens und Château Smith Haut Lafitte, die exemplarisch für eine neue Lesart der Region stehen.

Ergänzt wird das Programm durch drei Abendveranstaltungen, die höchsten Genuss mit großen Weinen der Region bieten:

Unser Programm ist kein Versuch, Bordeaux zu erklären, sondern ein Angebot, es neu zu betrachten. Nicht als Mythos der Vergangenheit, und auch nicht als Problemfall der Gegenwart, sondern als eine Region in Bewegung. Wir glauben, jetzt der richtige Moment, genauer hinzuschauen.

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